24. März 2026

AXPO Energy Reports – Replik der aeesuisse

Die am 24. März 2026 veröffentlichten Energieszenarien der Axpo leisten wichtige Impulse für die energiepolitische Debatte in der Schweiz. Dabei unterschätzt werden jedoch die Dynamik der Transformation sowie das Potenzial erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz.

Die aktuellen Energieszenarien von Axpo setzen ein klares Signal, auch wenn sie die Dynamik der Transformation des Energiesystems zu defensiv beurteilt: Die Schweiz braucht eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Stromversorgung im Inland auf Basis der erneuerbaren Energien, sowie eine enge Zusammenarbeit mit unseren europäischen Nachbarn. Die Zukunft der Versorgungssicherheit der Schweiz liegt deshalb im konsequenten Ausbau der erneuerbaren Energien, auch weil die finanziellen Risiken neuer Kernkraftwerke ohne staatliche Unterstützung wirtschaftlich nicht tragfähig sind. Diese Einschätzung wird von der Branche breit geteilt – auch von aeesuisse. Klar ist: Ohne einen zunehmenden Ausbau erneuerbarer Energien wird die Schweiz ihre Versorgungssicherheit, insbesondere in den Wintermonaten, nicht gewährleisten können.

Besonders die Windenergie nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Sie ist eine der wenigen Technologien, die schnell skalierbar ist, vergleichsweise geringe Kosten aufweist und vor allem im Winter Strom produziert. Würde ihr Ausbau ähnlich konsequent vorangetrieben wie jener der Solarenergie in den letzten zehn Jahren, könnten neue Windanlagen die prognostizierte zusätzliche Menge an Winterstrom von rund 9 TWh bis 2050 innerhalb eines Jahrzehnts schliessen. Die grösste Hürde bleibt dabei weniger die Technik als vielmehr die gesellschaftliche Akzeptanz. Eine weitere Möglichkeit ist der Ausbau von Photovoltaik-Anlagen, die konsequent auf Winterstromproduktion ausgerichtet sind. Dies ist bei Fassaden der Fall und auch bei senkrecht nach Süden ausgerichteten Freiflächenanlagen (Agri-Photovoltaik). Was auch in den Energy Reports der AXPO unterschätzt wird, ist der bereits heute jährlich um 0.4 TWh wachsende Beitrag der Photovoltaik an die Winterversorgung.

Das erste AXPO-Szenario, das erneuerbare Energien mit Gaskraftwerken kombiniert, entspricht weitgehend der bestehenden Energiestrategie und dem demokratisch legitimierten Umbau des Energiesystems. Entscheidend ist die Rolle des Gases: Statt als dauerhafte Marktkomponente sollten Gaskraftwerke primär als Reserve für Versorgungsengpässe dienen. Die im Szenario beschriebenen 2 TWh Strom aus Gaskraftwerke erachten wir als nicht mehr als eine solche Reserve. Wichtig ist, dass ein Energiesystem, das zunehmend von volatiler Produktion und Speicherung geprägt ist, in erster Linie flexible Kapazitäten braucht, die bei Bedarf temporär einspringen können. Gaskraftwerke bieten diese Flexibilität, Kernkraftwerke sind primär auf unflexible Grundlast ausgerichtet.

Auch die Wissenschaft bestätigt diesen Ansatz. Im Rahmen der SWEET-Projekte des Bundes hält sie fest, dass für die Schweiz weder neue Gas- noch Kernkraftwerke als Grundlast notwendig sind. Vielmehr wird die sichere Stromversorgung in den kritischen Wintermonaten neben Wasser, Wind und Solar durch eine Kombination aus Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlagen, Speichern und Stromimporten erreicht. Letztere werden künftig voraussichtlich im Bereich von 5 bis 10 TWh liegen – Werte, die historisch bereits mehrfach erreicht wurden. Voraussetzung dafür ist jedoch eine stabile und verlässliche Integration in den europäischen Strommarkt. Der Abschluss eines Stromabkommens ist deshalb einer der zentralen Hebel für Versorgungssicherheit gerade auch im Winter.

Zwei zentrale Aspekte bleiben in beiden AXPO-Szenarien unterbewertet: die Dynamik, mit der die Transformation des Energiesystems stattfindet und die Energieeffizienz. So sind die Ziele bei den erneuerbaren Energien, die in der Energiestrategie 2050 festgelegt wurden, bereits heute, 9 Jahr früher erreicht als geplant. Auch sind Kostenentwicklung und Lernkurven bei den erneuerbaren Energien einmal mehr zu defensiv beurteilt. Dazu gehört auch das exponentielle Wachstum bei den Batteriespeichern, die nicht nur die Verstetigung der erneuerbaren Produktion unterstützen, sondern auch den Netzausbaubedarf erheblich reduzieren helfen. Die faktisch grösste und kostengünstigste Energiequelle ist zudem die Energieeffizienz. Gerade für die Winterversorgung spielt die Sanierung des Gebäudeparks eine entscheidende Rolle. Verbesserte Gebäudehüllen sowie der Ersatz fossiler Heizsysteme durch Wärmepumpen in Kombination mit Dach- und Fassaden PV-Anlagen können Einsparungen von über 5 TWh ermöglichen – und damit einen erheblichen Beitrag zur Versorgungssicherheit leisten.

Fazit: Eigentlich ist alles klar und liegt der Plan für mehr Versorgungssicherheit mit der Energiestrategie bereits seit Jahren bereit. Wir wissen, was zu tun ist, und alles, was es dazu braucht, ist auf dem Markt erhältlich. Jetzt geht es darum, es auch zu tun: den Ausbau der erneuerbaren Energien beschleunigen, Effizienz steigern und die Schweiz konsequent ins europäische Stromsystem integrieren – für eine sichere Energiezukunft, auch im Winter.“

 

Zusammenfassung

  1. „Die Lösung liegt auf dem Tisch – wir müssen sie nur umsetzen.“
    Die Szenarien von Axpo zeigen klar: Unsere Versorgungssicherheit fusst auf den erneuerbaren Energien. Gerade im Winter spielt die Windenergie aber auch Fassaden und Agri-PV eine Schlüsselrolle – sie liefern in Kombination mit verschiedenen Speicherformaten Strom genau dann, wenn wir ihn brauchen. Wenn wir den Ausbau jetzt entschlossen vorantreiben, können wir die Winterversorgung sicherstellen.
  2. Nicht die Frage nach Grundlastkraftwerken entscheidet – sondern die richtige Systemlogik.“
    Ein modernes Energiesystem braucht keine starren Grosskraftwerke, sondern Flexibilität und Intelligenz. Reservekraftwerke, Speicher und die Zusammenarbeit mit Europa geben uns genau die Sicherheit, die wir bei Versorgungsengpässen brauchen – effizient, anpassungs- und zukunftsfähig.
  3. „Die stärkste Energiequelle ist die, die wir gar nicht erst verbrauchen.“
    Energieeffizienz ist der unterschätzte Schlüssel zur Versorgungssicherheit. Wenn wir beispielsweise unsere Gebäude konsequent sanieren und auf moderne Heizsysteme setzen, sparen wir gerade im Winter enorme Mengen Energie – und machen uns unabhängiger und damit resilienter, schneller als mit jeder neuen Produktionsanlage.

 

Weitere Informationen

Stefan Batzli, Co-Geschäftsführer aeesuisse I 079 420 46 66

Simon Dalhäuser, Leiter Kommunikation aeesuisse I 079 772 06 5

 

Hier können Sie die Medienmitteilung herunterladen: