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Fokusthema Bauwirtschaft: Intelligente Nutzungskonzepte

Ziele und Forderungen der AEE SUISSE

Die Nutzer eines Gebäudes und ihre Bedürfnisse sind von Anfang an in die Planung eines Gebäudes und ins Nutzungskonzept einbezogen.

  1. Funktional und ästhetisch gute Architektur ist wichtig. Sie trägt dazu bei, dass Gebäude lange nicht verändert werden müssen. 

  2. Die Nutzung von Gebäuden muss deutlich stärker bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden. 

  3. Gebäude müssen so geplant werden, dass sie auf künftige Nutzungen möglichst flexibel angepasst werden können. 

  4. Die verschiedenen Strukturen eines Gebäudes sollen soweit wie möglich voneinander getrennt werden, um Erneuerungen und Umbauten möglichst effizient vornehmen zu können. Dies betrifft insbesondere die Tragstruktur, den Innenausbau, die Erschliessungsstruktur sowie die Hülle.

Flexibel planen

Niemand weiss, welche Wohn-, Gewerbe oder Industriebauten wir in 30 bis 50 Jahren brauchen werden. Neubauten müssen deshalb so konstruiert sein, dass sie sich mit möglichst einfach den geänderten Bedürfnissen anpassen lassen. Aus diesem Grund ist es unter anderem unabdingbar, dass die Primär-, Sekundär- und Tertiärstruktur eines Gebäudes konsequent getrennt werden. Infrastruktur darf nicht in die Tragstruktur integriert werden, zum Beispiel sollen Lüftungskanäle oder Abwasserleitungen nicht in Betondecken gelegt werden.

Primär-, Sekundär- und Tertiärstruktur

Quelle: Systemtrennung, Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern, 2006
Innovative Konzepte

Damit Gebäude lange nutzbar bleiben, braucht es laut Architekt Bob Gysin von «Bob Gysin + Partner» eine ganzheitlichen Betrachtungsweise. Das Gebäude soll als Gesamtsystem in einem räumlichen, sozialen, kulturellen, und klimatischen Kontext geplant werden. Auf der konstruktiven Ebene braucht es zum Beispiel sauber getrennte Strukturen, aber auch flexible Raumkonzepte. Um solche umzusetzen, sind nicht nur Architektinnen und Architekten gefordert; ebenso wichtig ist, dass Auftraggeber bereit dazu sind. Architekt Bob Gysin von «Bob Gysin + Partner» spricht in diesem Zusammenhang von der Auftraggeber- und Architektenkompetenz. Enge Vorgaben durch professionelle Bauherren und der zunehmende Kostendruck schränken Architekten ein. Bob Gysin sagt: «Der Architekt hat, wenn er nicht als Stararchitekt gilt, in den letzten 10 bis 20 Jahren viel an Kompetenzen eingebüsst. Die Projektprogramme der Auftraggeber sind mittlerweile so umfangreich, dass es kaum noch Freiräume architektonischer Art gibt.» Freier sind Architekten überraschenderweise bei der Umnutzung bestehender Bauten: «Alte Gebäude sind nicht wie heutige Bauten bis auf den letzten Millimeter verplant. So ist es oft möglich, sie neuen Nutzungen zuzuführen und auf den neusten Stand der Technik zu bringen, statt sie abzureissen.»
Ein Glücksfall seien oft Neubauprojekte mit Vorzeigecharakter. Sie erlauben fortschrittliche und flexible Nutzungskonzepte, die bei alltäglichen Überbauungen kaum umsetzbar seien. Ein solcher Fall ist das von «Bob Gysin + Partner» konzipierte Eawag Forum Chriesbach in Dübendorf bei Zürich. Die gesamte tragende Struktur ruht auf einer Reihe schmaler Betonpfeiler. Die senkrecht verlaufenden Hausinstallationen liegen gebündelt in zwei Zonen im Gebäude, die restliche Haustechnik verläuft in leicht zugänglichen Kanälen. Die Bürozellen bestehen aus Fertigelementen, die schnell und einfach in der gewünschten Grösse platziert und auch wieder umgebaut werden können. Die nötigen technischen Anschlüsse sind für alle denkbaren Varianten vorhanden; sollten irgendwann einmal andere Leitungen benötigt werden, ist ein Austausch leicht machbar. Die äusserste Gebäudehülle in Form einer Glasfassade umschliesst die gesamte Struktur und hilft bei der Belichtung, Belüftung und Energiegewinnung des Gebäudes. Selbst die Fassade ist flexibel: Sollte dereinst ein Anbau ans Gebäude folgen, können die Fassadenelemente abgebaut, erweitert und wieder eingesetzt werden. Das Prinzip, dass man für eine grösstmögliche Nutzungsflexibilität die Primär-, Sekundär- und Tertiärstruktur eines Gebäudes konsequent voneinander getrennt halten muss, ist beim Eawag Forum in vorbildlicher Weise umgesetzt.

Quelle: Eawag
Flexibilität durch Planung

Viele Wohnüberbauungen genossenschaftlicher Prägung setzen heute auf das partizipatorische Prinzip: Zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner werden früh in den Planungs- und Entscheidungsprozess miteingebunden, um einen möglichst hohen Nutzen zu erreichen. Nach diesem Prinzip wurde auch in der Überbauung Kalkbreite in Zürich geplant. Und die Räume wurden möglichst flexibel gestaltet: Cluster-Wohnungen bedienen Menschen, die sowohl Gesellschaft suchen als auch Privatsphäre schätzen; Flex-Räume können je nach Bedarf stunden- oder tageweise für alle möglichen Nutzungen zugemietet werden; mit Wohnjoker – voll funktionstüchtige Kleinstwohnungen mit einem Zimmer und Bad – soll auf steigenden Platzbedarf der Bewohnenden reagiert werden können; Cafeteria und Waschsalon stehen der Hausgemeinschaft von Bewohnenden und Gewerbetreibenden zur Verfügung, ebenso wie diverse ursprünglich nutzungsoffene und heute mit Bedürfnisnutzungen belegte Räume; und eine «gebäudeinterne Strasse», die sogenannte Rue Intérieure, dient gleichermassen als Verbindungsgang und Begegnungsort. Bei monatlichen Gemeinratssitzungen, zu denen das ganze Haus eingeladen ist, können die Mieterinnen und Mieter Vorschläge für neue Nutzungsmöglichkeiten der gemeinschaftlichen Bereiche einbringen. Per Abstimmung wird darüber entschieden. So passt sich die Überbauung stets den aktuellen Bedürfnissen der Bewohnenden an.

Grundriss der Wohn- und Gewerbesiedlung Kalkbreite, Zürich

Quelle: Müller Sigrist Architekten, Zürich
Wenn möglich umnutzen

Hat ein Gebäude das Ende seiner ursprünglichen Nutzungsperiode erreicht, stellt sich oft die Frage: abreissen oder umnutzen? Rund ein Drittel aller Energie, die ein Gebäude während seines ganzen Lebenszyklus verbraucht, entfallen auf die Bauzeit. Aus energetischer Sicht ist deshalb die Umnutzung und Erneuerung des Bestands einem Ersatzneubau vorzuziehen. Ein neues Gebäude müsste dem hohen Energiestandart Minergie-P entsprechen, damit es über seinen ganzen Lebenszyklus nicht mehr Energie verbraucht als eine gut sanierte Überbauung aus den 1960er-Jahren. Als Beispiel für eine unkonventionelle Umnutzung kann die alte Rennbahnklinik in Muttenz bei Basel dienen. Nachdem der Klinikbetrieb 2014 in einen Neubau umzog, standen die alten Räumlichkeiten leer. Pläne der Bauherrschaft, das Gebäude in ein Büro umzuwandeln, zerschlugen sich aus wirtschaftlichen Gründen; ein Ersatzneubau kam aus finanziellen und marktwirtschaftlichen Überlegungen ebenfalls nicht infrage. Die Nähe zu den Basler Hochschulen und ein radikales Umdenken führten die Überlegungen in Richtung Studentenwohnungen. «sab Architekten» mussten jedoch zuerst die gesetzlichen Voraussetzungen dazu schaffen, dass man in einem solchen Objekt überhaupt Wohnraum realisieren darf. Es gelang ihnen mittels Sonderbewilligungen und dem Entgegenkommen aller Beteiligten. Andererseits galt es, das Mittelmass zwischen Qualität und für Studenten finanzierbare Kosten zu finden. Die 12 Wohnungen mit 3 bis 12 Zimmern sind funktional, schlichter Sichtbeton dominiert die Räumlichkeiten. Die neue Nutzungsmöglichkeit besteht – auch das ein Teil eines Verhandlungskompromisses – zunächst für 10 Jahre.

Rennbahnklinik


Download AEE SUISSE Broschüre Bauwirtschaft 2016

AEE SUISSE_Brosch_Bauwirtschaft 2016.pdf (5,1 MiB)